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Hunderte Kinderleichen gefundenSchweizer Mönche wirkten beim Zwangsmissionieren von Kindern mit

Hunderte von indigenen Kindern sind gestorben, als sie in Kanada zum Christentum bekehrt wurden. Auch Schweizer Kirchenleute waren dort tätig. Ihre Losung: «Töte den Indianer, aber rette den Menschen».

Michael Meier

Bischof Martin Marty war eine der Hauptfiguren bei der Missionierung der Sioux-Indianer.

Privatarchiv Manuel Menrath

Seit Jahren wühlt der Kindesmissbrauch durch Kleriker die katholische Kirche auf. Jetzt wird ein anderes, unbekanntes Kapitel von Missbrauch, begangen von Geistlichen, geöffnet. Wiederum sind die Opfer Kinder, diesmal Indigene aus Kanada und den USA.

Auf dem Grundstück der katholischen Marieval Indian Residential School im Westen Kanadas wurden vor wenigen Tagen die Überreste von 751 Kinderleichen gefunden, beim katholischen Internat bei Kamloops in Britisch-Kolumbien Teile von 215 verstorbenen Kindern. Der jüngste Fund betrifft die Saint Eugene’s Mission School im westkanadischen Cranbrook, dort kamen 182 anonyme Kindergräber ans Licht. Die Körper, die häufig in nur einem Meter Tiefe verscharrt wurden, dürften laut Experten Kindern im Alter von sieben bis 15 Jahren gehört haben.

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Für den Luzerner Historiker Manuel Menrath, der seit Jahren zur Zwangsmissionierung indigener Menschen in Nordamerika forscht, sind die Funde erst die Spitze des Eisbergs. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1997 seien in Kanada 150’000 Indianerkinder in 139 sogenannten Residential Schools umerzogen und zwangsassimiliert worden.

«Es werden noch viele Kindergräber gefunden werden.»
Manuel Menrath, Historiker

Geschätzte 6000 Kinder starben in den von katholischen Orden geführten Internaten wegen der prekären Lebensbedingungen. Auch in den USA befinden sich zahlreiche unmarkierte Gräber auf dem Gelände ehemaliger Indianerinternate, etwa bei der Carlisle School in Pennsylvania. «Es werden noch viele Kindergräber gefunden werden», prophezeit Menrath. In der kanadischen Öffentlichkeit wächst die Wut von Tag zu Tag, am Donnerstag wurde eine Statue von Königin Victoria in Winnipeg von Demonstranten gestürzt.

Das dunkle Kapitel der Vergangenheit betrifft allerdings nicht nur Kanada und die USA. Historiker Menrath hat entdeckt, dass in den Schulen auch zahlreiche Schweizer Missionare wirkten, insbesondere Benediktiner der Klöster Einsiedeln und Engelberg. Menrath macht auf einen bisher kaum bekannten Zusammenhang zwischen dem helvetischen Kulturkampf des späten 19. Jahrhunderts und der Missionierung der Indianer aufmerksam. Der Sonderbundskrieg von 1847 sorgte dafür, dass katholische Kulturkämpfer die Schweiz verliessen und sich im Ausland für ihre Kultur ins Zeug legten.

Schweizer missionierten in Reservaten

Zur Zeit des Kulturkampfs zwangen die Liberalen viele Klöster zur Schliessung. Auch die Einsiedler und Engelberger Benediktiner fürchteten um ihre Existenz. Mehrere Dutzend katholische Geistliche aus den unterlegenen Innerschweizer Kantonen emigrierten nach Nordamerika. Sie gründeten dort Töchterklöster, Einsiedeln etwa das Kloster St. Meinrad in Indiana, Engelberg die Conception Abbey in Missouri, die Benediktinerinnen von Maria-Rickenbach NW das Kloster Yankton in South Dakota. Sie missionierten in den Indianerreservaten und schwärmten auch nach Kanada aus, um in Residential Schools indigene Kinder zum Christentum zu bekehren.

Beim katholischen Internat bei Kamloops in Britisch-Kolumbien wurden die Überreste von 215 Kinderleichen gefunden.

Foto: Jonathan Hayward (AP, Keystone) 

Als Beispiel eines katholischen Missionars, der unter Kanadas Indianern missionierte, nennt Menrath den Genfer Louis Babel von der Gemeinschaft der Unbefleckten Jungfrau Maria. Menrath berichtet auch, wie ihm Überlebende solcher katholischer Schulen in Nordontario erzählt hätten, auch von Schweizer Ordensleuten missioniert worden zu sein.

In seinem neuen Buch «Unter dem Nordlicht» beschreibt er die Grausamkeiten in den Residential Schools und schildert, wie Überlebende bis heute an Depressionen, Alkohol- und Drogenmissbrauch und an einer hohen Suizidgefährdung leiden.

Mit der Losung «Töte den Indianer, aber rette den Menschen» versuchten laut Menrath die Missionare den Schulkindern alles Indianische auszutreiben.

In der postkolonialen Forschung, die meist auf den Schweizer Einfluss in Afrika und Asien fokussiert, schlägt Menrath mit dem Wirken von Schweizer Missionaren in Nordamerika ein neues Kapitel auf. Diese hätten die Indigenen zu frommen Christen und sesshaften Bürgern machen wollen. «Der Federschmuck wurde verbannt, die Haare der Indianer wurden abgeschnitten, der Sonnentanz verboten.»

Die Büffel, von deren Jagd die Indianer lebten, wurden ausgerottet. In den katholischen Schulen kultivierten die Missionare die schwarze Pädagogik der damaligen Kirche: «Die Kinder wurden im Diesseits körperlich gezüchtigt, damit ihnen im Jenseits das Fegefeuer erspart bleiben solle.» Mit der Losung «Töte den Indianer, aber rette den Menschen» versuchten laut Menrath die Missionare, den Schulkindern alles Indianische auszutreiben. Forscher sprechen von einem kulturellen Völkermord, von einem Ethnozid.

Zweifelhafter «Held»

In seinem Buch «Mission Sitting Bull» von 2016 porträtiert Menrath den Schwyzer Bischof Martin Marty als eine Hauptfigur bei der Missionierung der Sioux-Indianer. Marty gründete in US-Reservaten Missionsschulen zur Umerziehung von Indigenen. 1860 hatte das Kloster Einsiedeln den damals 26-jährigen Mönch in die USA geschickt, um beim Aufbau der Niederlassung St. Meinrad in Indiana zu helfen. Es sollte den Einsiedler Benediktinern als Refugium dienen, falls das Schweizer Mutterkloster von den Liberalen geschlossen werden sollte.

Missionar Marty, zum ersten Abt des Klosters St. Meinrad erkoren, wurde zum international bekannten «Helden», weil er den kanadischen Sioux-Häuptling Sitting Bull, den berühmten Kämpfer gegen die Landnahme amerikanischer Siedler, bekehren wollte und ihm nach Kanada nachreiste. Marty ist nur einer von vielen Namen, die mit diesem unrühmlichen Kapitel der katholischen Kirche in Verbindung stehen. Welche Geistlichen aus der Schweiz in welchen kanadischen Schulen missionierten, muss gemäss Menrath Gegenstand weiterer Forschungen sein.

170 Kommentare

max bernard

Dienstag, 6. Juli 2021, 4:20

Die katholische Kirche ist die grösste und älteste kriminelle Vereinigung mit einer Verbrechensliste, die selbst die Mafia als Kindergarten erscheinen lässt.

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